NWT 2017 Besprechungen der Audio- und Video-Einreichungen

Auch in diesem Jahr hatte ich die Ehre, als Juror beim NWT 2017 mit­wirken zu dürfen. An meiner Seite waren der langjährige IWT-Juror Ha­rald Braun sowie ein Schulrektor und Chorleiter aus Landshut, Willi Niedermeier. Ich schildere meine persönlichen Eindrücke der Werke, die nicht unbedingt sich mit der Bewertung der anderen Juroren decken muss.

Nachdem es seit diesem Jahr keinen internationalen Wettbewerb der FICS (IWT) mehr gibt, scheint auch das Interesse der deutschen Ton - und Videoamateure am nationalen „Kräfte­messen“ beim NWT nachzu­lassen:

Es waren nur 10 Audio- und 3 „echte“ Video-/MM-Arbeiten eingegan­gen. Schade, dass die Freiräume für Kreativität bei unserem Hobby im­mer weniger genutzt werden!

In den Kategorien Hörspiel/Sketche sowie Reportagen/Interviews gab es keine Einsendungen. Die Schwerpunkte lagen somit auf den „eigentli­chen“ und den „außerordentlichen“ Musik­aufnahmen.

Zunächst aber eine Natur-Tonaufnahme (Kat. D):

Uli Behrend hatte in seinem Urlaub auf Costa Rica eine Klangkulisse eingefangen, die von einer Unmenge an Singzikaden erzeugt wurde. Eine beeindruckende Szenerie, die nur von einigen Windstörgeräuschen und einem vorbeifahrenden Auto beeinträchtigt war. Leider hatte er nur seinen Fotoapparat als Aufnahmemedium zur Verfügung, daher war die Tonqualität nicht auf dem sonst gewohnten Stand. Dies war übrigens die einzige Aufnahme, die sowohl bei Audio und Video bewertet wurde, d. h. einmal nur Ton und dann auch noch mit Bild, wo es wesentlich mehr Punkte gab!

In Kategorie C2 (außerordentliche Musikaufnahmen) hörten wir zuerst eine Multiplay-Auf­nahme („Herbstabend“) von James Schäfer an, in der ein vierstimmiger Chorsatz von einem Gesangsquartett dargeboten wurde. Das Besondere der Aufnahme war, dass der Autor alle Männer­stimmen selbst eingesungen hatte; die Frauenstimmen genauso von ei­ner weiblichen Stimme nacheinander. Dass diese Art der Gestaltung äu­ßerste Konzentration und Exaktheit bei der Produktion erfordert, kann sich jeder vorstellen, der selbst aktiv singt. Die klangliche Ausgewogen­heit war so allerdings nicht zu 100% erreichbar, ferner hätte eine nach­trägliche Verhallung der Sache gut getan; aber eine schöne Idee und viel Arbeit dazu!
Es reichte für Platz 3 in der Kategorie sowie Platz 5 in der Gesamtwertung.

Von Florian König erklang das Stück „Yangze“, eine von Synthesizer-Klängen bestimmte Arbeit. Nach wuchtiger Einleitung erstrahlt eine Sopranstimme mit einer einzigen Vokalise, es folgt ein etwas ruhigerer Teil, von einer synthetischen Viola dominiert, danach entwickelt sich die Gesangsstimme wieder. Der unterlegte Beat ist durchaus mitreißend, leider hat das Stück aber kein Ende, es wird nach Erreichen der maxi­malen Spielzeit einfach ausgeblendet: Schade, das wirkte leider einfalls­los.
Trotzdem erreichte das Werk den Platz 1 dieser Kategorie C2 sowie den zweiten Platz in der Gesamtwertung.

Ebenfalls aus dieser kreativen Familie (Christian König) war der Beitrag „Vintage 1923“, er soll eine Erinnerung an alte Zeiten darstellen. Das Stück ist geprägt von etwas aufdringlich wirkenden Synthi-Streichern, hinzu tritt ein höhenlastiges Drumpattern, übergehend in eine Ge­räuschcollage, gegen Ende erklingen noch kurz ruhige harmonische Flä­chen, die jedoch - wie beim vorhergehenden Stück – rasch abgeblendet werden, sodass sie irgendwie deplatziert wirken. Es fehlt auch hier das Ende.
Ergebnis: Platz 2 in der Kategorie sowie Platz 4 bei den Audioaufnahmen.

All by myself 1929 – 2017“ ebenfalls eine Produktion mit Synthesizer-Klängen, eingereicht von Christl König. Eine gefällige, harmonisch und melodisch klar und traditionell struktu­rierte Komposition, die einen Rückblick auf das Leben der Mutter (von Florian und Christian König) symbolisieren soll. Die Dauer gut gewählt, endlich gibt es hier den er­sehnten auskom­ponierten Schluss des Stückes.
Ergebnis: Platz 4 Kat. C2, gesamt leider nur Platz 8.

Fünf Arbeiten waren in der Kategorie C1 als eigentliche Musikaufnah­men von meist langjäh­rigen Vereinsmitgliedern zu bewerten.

Ralf Mehlig brachte ein bekanntes Spiritual „Joshua“ zu Gehör. Gesun­gen von einem heraus­ragenden Studenten-Chor aus Missouri, in einem mitreißenden Arrangement mit unglaubli­cher Präzision dargeboten; mit einfacher Mikrofonierung aufgenommen, vielleicht ein Tick zu indirekt, aber durchhörbar und sauber abgebildet; die Jury war vom musikali­schen Inhalt be­geistert. Allerdings besteht bei der Bewertung immer das Dilemma, dass die eigentliche Idee nur wenig Punkte erhalten kann, auch wenn - wie hier – Ausführung und Technik sehr gute Werte errei­chen. Bei der Wiedergabe wurde festgestellt, dass der Pegel der Auf­nahme insge­samt zu leise erschien, sodass eine Wiederholung mit ange­passtem Pegel angeraten war.
Ergebnis: Platz 2 in Kat. C1, gesamt Rang 3.

Das bekannte Lied „The Rose“ war in einer Aufnahme von Willibald Kappl zu hören. Ein Kammerchor brachte das Stück in Begleitung eini­ger Musiker musikalisch gut zur Geltung, lediglich die Percussion war zu weit vom Mikro entfernt und sorgte so für Mulm im Gesamt­klang; an einigen Stellen trat der Tenor etwas zu stark hervor, die Räumlichkeit war dem Stück durchaus angemessen.
Ergebnis: Kategorie Platz 4, gesamt Platz 7

Eine weitere Aufnahme von Willibald Kappl sorgte für fröhliche Stim­mung im Saal: Die Filmmusik zu „Die tollkühnen Männer in ihren flie­gende Kisten“, pfiffig dargeboten von einer gut disponierten Blaskapelle. Mit wenig Aufwand gut eingefangen, lediglich die Becken des Schlag­zeugs und die Effektinstrumente wirkten etwas zu präsent. Da fehlte jetzt nur noch der alte Stummfilm auf der Leinwand dazu.
Ergebnis: Kat. C1 Platz 3, gesamt Platz 6

James Schäfer ist ja auch als aktiver Kirchenmusiker vereinsbekannt. Von ihm stammte die Orgelaufnahme „Toccata in A“ (v. Johann Kuhnau). Das Besondere dieser Einreichung war, dass James die Orgel auch selber spielte! Nach einigen Probeaufnahmen hatte er die richtige Position der Mikrofone gefunden und konnte sich seinem gut gelungenen Spiel wid­men. Durch die Verwendung zweier Kugelmikrofone bekam die Auf­nahme ein wunderbar tief­gründiges Fundament im Bassbereich. Ledig­lich in Sachen Basisbreite wäre noch mehr Fülle möglich gewesen, z. B. durch AB-Stereofonie im Abstand von ca. 1,50 Metern.

Den für den Titel Gesamtsieger notwendigen Punktevorsprung erreichte James durch das eigene Spiel des Instrumentes, was sich natürlich bei der Bewertung der Idee „bezahlt“ machte.
Ergebnis: Kategorie und gesamt Platz 1.

Eine historische Aufnahme aus dem Archiv des leider schon vor Jahren verstorbenen Mitglie­des Harry Rudke hatte Peter Hösl eingereicht: „Kar­freitagszauber mit Harry“. Die Be­zeichnung verriet lediglich, dass die Aufnahme an diesem Feiertag wohl stattfand. Eine recht gute Aufnahme eines Jazzpianisten, räumlich passend abgestimmt, leider keine eigene Idee, um diese zu bewerten.
Ergebnis: Kat. C1 Platz 5, gesamt Platz 10.

In Anbetracht der übersichtlichen Anzahl der Audiobeiträge fand nach einer kurzen Erho­lungspause im Anschluss die eigentlich für den Nachmittag vorgesehene Jurierung der Vi­deo/MM-Werke statt.

In der Kategorie Experimente mit Ton und Bild sahen wir nun eine schon „gehörte“ Auf­nahme von Uli Behrend: „Konzert der Singzika­den“ zeigte im Bild nun die Verursacher der Geräusche in ihrem Ur­wald, was deutlich mehr Punkte einbrachte als bei der Audio Vorführung:
Ergebnis: Gesamt Platz 3

Mit dem zweiten Videobeitrag von Uli Behrend blieben wir in Costa Rica. „Marimba“ er­klärte uns die Spielweise dieses Schlaginstrumentes, welches hier von zwei Spielern zum Klingen gebracht wurde. Die ein­heimische Weise klang für unsere Ohren jedoch recht eintö­nig, da sich die Melodie nach zwei Takten immer wiederholte. Im eingeblendeten Text gab es zusätzlich Hintergrundinformationen aus Wikipedia; leider waren die beiden Spieler eigent­lich nie zu sehen, immer nur ihre Hände und die Schlegel!
Ergebnis: Gesamt Platz 4

Mit der nächsten Einreichung sollte die Jury offensichtlich „ausge­bremst“ werden: Es galt zunächst (ohne Bild) ein Geräusch zu erraten, was aber nicht eindeutig erreicht wurde. Erst als der Beitrag „LKW Mo­torbremse“ mit Bild vorgeführt wurde, erkannten wir den riesigen Sat­telschlepper, der in einer Kurve bergabwärts heftig nagelnd die Massen seiner Ladung ausbremsen musste. An den bei uns vielzitierten Diesels­kandal denkt in Costa Rica sicherlich kein Mensch! Da die Aufnahme keine besondere Kreativität erkennen ließ, landete sie auf Platz 5.

Interessant waren vor allem die beiden nun folgenden Multimedia-Bei­träge.

Zuerst die Arbeit von Theo Griesbaum „Requiem für einen Baum“. In eindrucksvollen Bil­dern schildert er den Zerfall von totem Holz, welches bei einem Sturm entstand, von Insekten wie dem Borkenkäfer zerstört wurde oder vom Biber angenagt seinen Tod erwartet. Gut abge­stimmt die unterlegten Musiktitel, die ordnungsgemäß bei der GEMA lizenziert waren. Etwas nervig empfand ich die vielen Schwarzblenden nach den einzelnen Bildern, die als Stilmittel mir zu oft vorkamen. Insgesamt eine sehr sehenswerte Arbeit, die zu Recht auf Platz 2 der Wertung kam.

Zum Abschluss dann noch die „Exotischen Tiere auf Costa Rica“ von Uli Behrend.

Er ließ uns an einer Foto-Safari teilnehmen, in welcher wir die unglaubli­che Vielfalt der dor­tigen Tierwelt kennenlernen durften. Durch Schlan­gen, Frösche, Kröten, Alligatoren, Spin­nen, Echsen und natürlich Vögel und Affen in allen nur erdenklichen Farben erlebten wir die Schönheit der dortigen Natur auf einzigartige Weise. Fotografisch meisterlich ein­gefangen, meist mit geringer Tiefenschärfe, waren die Tiere plastisch dargestellt; harmonische Über­blendungen, mit gut passender Musik unterlegt und letztlich gekonntes Nacharbeiten mit Photoshop machten das Werk zu einer Augenweide.

Allen Zuschauern war klar, dass diese Arbeit die Bestnote verdiente, also Platz 1 in der Ge­samtwertung bei Video/MM.

Werner Grabinger